Hat die Druckindustrie eine Zukunft?
Muss man sich überhaupt damit beschäftigen?
Das sind Fragen, die zwar provokativ klingen, die jedoch mehr oder weniger offen von allen in und mit der Druckindustrie Beschäftigten ausgesprochen werden. In einer offiziellen Veranstaltung des Print Clusters Bayern vor etwa einem Jahr wurde dafür Herr Prof. Dueck (IBM-Stratege) eingeladen, um allen auf sehr unterhaltsame Art und Weise zu erläutern, wie sie in den nächsten Jahren untergehen werden. In einem kürzlich stattfindenden Gespräch mit einem jungen, erfolgreichen Geschäftsführer einer klassischen Druckerei, sah dieser die Notwendigkeit, uns zu erklären, warum er als junger Mensch eine Druckerei übernimmt. Im Gespräch mit Verbandsleuten ist es nicht anders. In einer unlängst von Intergraph im Auftrag der europäischen Union publizierten Studie ist eines der Hauptthemen „wie wickle ich mein Unternehmen sozialverträglich ab“!
Ist so viel Pessimismus angebracht?
Muss jeder Druckdienstleister um seine Existenz fürchten?
Wenn man die statistischen Zahlen und Trends über die letzten Jahre studiert (Druckvolumen, Druckkapazitäten, Anzahl der Beschäftigten, Werbeausgaben, etc.), wird man durchaus sehr viele Gründe für Pessimismus entdecken.
Sieht man jedoch einzelne, florierende und erfolgreiche Betriebe – sowohl mit klassischen Druckprodukten als auch solche, die sich stark diversifiziert haben, so muss man feststellen: wenn man es richtig macht, so ist auch in der Druckindustrie für den einzelnen Betrieb eine Zukunft nicht nur möglich sondern sehr attraktiv!
Was ist der Schlüssel? Wie kann sich ein Druckbetrieb weiterentwickeln?
Die Antwort gibt die bereits erwähnte, von vielen kritisierte Intergraph-Studie. Der einzelne Betrieb muss sich mit den Themen Vision, Strategie und Kundenperspektive auseinandersetzen! Hierzu liefert die Studie sogar einen Toolkit.
So weit so gut. Die Aussage kennen wir wahrscheinlich alle!
Die Fragen sind nun:
Warum tun es die meisten Druckbetriebe nicht?
Was hält sie davon ab, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen?
Warum gibt man Millionen für neue Druckmaschinen aus (obwohl alle wissen, dass es Überkapazitäten gibt) und beschäftigt sich nicht mit den grundlegenden Fragen?
Warum bringt man nicht die eigenen Ideen aufs Papier und führt diese konsequent durch?
Wer sich diese Fragen stellt ist schon ein ganzes Stück weiter. Diese Erkenntnis ist die Voraussetzung, um eine Strategie zu finden und diese zu verfolgen (eine der grundlegenden Empfehlungen der Intergraph Studie). Der Rest ist Handwerk. Berater-Handwerk. Mit den richtigen Methoden und Werkzeugen lässt sich die Strategie aufschreiben, in konkrete Projekte umsetzen und vor allen Dingen: konsequent verfolgen. Das ist bestimmt nicht die Lösung aller Herausforderungen, aber die Voraussetzung, um diese anzugehen.
Deshalb ist die zentrale Frage:
Wie bringen wir die Betriebe der Druckindustrie dazu, diese Fragen zu stellen?
Eine einheitliche Lösung für alle Betriebe wird man nicht finden. Gerade bei der existierenden Struktur der Druckindustrie ist die Kreativität jedes Einzelnen gefragt.